Über Impfungen: Wirksamkeit und Nutzen.

von Gastautor Björn Zedler (39)
Volkswirt mit Schwerpunkt Geldtheorie und Ökonometrie,
Anhänger der “österreichischen Schule”,
verheiratet, 2 Kinder.

Herr Zedler, wie kommen Sie als Volkswirt dazu, sich mit dem Thema Impfungen zu beschäftigen?

Vor vielen Jahren, mittlerweile sind es wohl schon 15, da wollte meine Frau sich plötzlich nicht mehr impfen lassen.

Ich war dafür, sie dagegen.

Sie können sich sicher vorstellen, dass wir viele Diskussionen geführt haben. Die Konvention schließlich war, dass ich die allgemeinen Aussagen zur Sicherheit, Wirksamkeit und Notwendigkeit von Impfungen einer Plausibilitätskontrolle unterziehen musste.

Ich habe Volkswirtschaftslehre studiert und in meinem Berufsleben überwiegend mit und an statistischen Analysen gearbeitet. Dementsprechend führte mich mein Weg durch den Informationsdschungel über das Bundesamt für Statistik und seine Zahlen rund um Impfungen und Krankheiten. In meinem Artikel binde ich viele Stellungnahmen von RKI und PEI ein und beleuchte das Thema auf der logischen Ebene.

 

Mündige Impfentscheidung: Wie ich als medizinischer Laie mit dem Thema umgehe.

Während ich diese Zeilen schreibe, fand gerade eine Demo gegen die Impfpflicht in Berlin statt. Sollte das Gesetz vom Bundestag in der Entwurfsform gebilligt werden, wird demnächst die Entscheidung über Risiken und Nutzen der Masernkombinationsimpfung aus den Händen der Betroffenen oder deren Eltern genommen.

Die Hauptargumente sind, dass man sich impfen soll, um Andere zu schüt­zen und um den Masernausrottungswünschen der Weltgesundheitsorganisation Folge zu leisten.

Das erste Argument ist systemisch dem Kollektivismus zuzuordnen und so verwundert es auch nicht, dass Impfzwang eher von sozialistischen denn freiheitlichen Gesellschaftssystemen her bekannt ist. So gibt es eine Impfpflicht in China, es gab eine in der DDR und im Dritten Reich.

Impfungen werden zu selten in Frage gestellt.

In der öffentlichen Wahrnehmung dominiert die Auffassung, dass diese Krankheiten, gegen die man heute impft, früher Volksseuchen waren und Tausende von Todesopfern gefordert haben.
Unter­mauert wird das mit der Situation in den Entwicklungsländern heute.
     Gedanklich machen die meisten Menschen da schon einen Haken für sich und stimmen der Impfung zu.

Zwei Sachen kann ich vorwegnehmen. Ja, diese Krankheiten waren früher Volksseuchen und ja, in den Entwicklungsländern sterben den offiziellen Statistiken nach immer noch sehr viel mehr Menschen an (besagten) Krankheiten als bei uns.

     Die zweite Frage, ob es die Impfung überhaupt war oder gewesen sein könnte, die die Menschen von etwaigen Seuchen befreit hat, wird so selten gestellt, dass man von einem Dogma sprechen muss. Selbst Ärzte und Heilpraktiker, die die Risiken und Nebenwirkungen von Impfungen als nicht gering einschätzen, stellen die Wirksamkeitsfrage höchst selten.

 

Im öffentlichen Diskurs ist eines klar – wenn 95 % geimpft sind, ist die Welt in Ordnung.

Oder wie es die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) meint: „Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger können sich an­stecken. Die Krankheit kann sich jetzt schlechter oder im besten Fall gar nicht ausbreiten. Man spricht dann von Herdenimmunität. Eine Ausbreitung der Masern kann verhindert werden, wenn 95 % der Bevölkerung geschützt sind.”

Betrachten wir uns im Folgenden gemeinsam einmal die Sachlage zu diesem Glaubensinhalt. Welche Zahlen untermalen diese Aussage? Wie errechnet sich diese sogenannte “Herdenimmunitätsschwelle” überhaupt und welche Impfquoten und Erkrankungszahlen dokumentieren andere Länder?

Ärzteblatt: "Impfstoffe haben die Sterblichkeit im 20. Jahrundert gesenkt."

In diesem Artikel rechnet ein Holländer vor, in welchem Ausmaß die Sterblichkeit in den letzten 100 Jahren zurückging und welche Impfung bzw. impfpräventable Erkrankung welchen Anteil daran hatte. In einem weiteren Artikel, über Impfstoffsicherheit, heißt es “In den Jahren zwischen 1930 und 1940 starben in Deutschland jährlich etwa 6 000 Menschen, zumeist Kinder, an Diphtherie und etwa 500 Menschen an Poliomyelitis“.
     Heute scheinen wir im Westen von diesen Plagen befreit. Aber sind es wirklich die Impfungen gewesen, bzw. wel­chen Anteil haben sie an dieser Entwicklung?
Jedem dürfte einleuchten, dass die allgemeine Sterb­lichkeitsrate im heutigen Europa vor 200 Jahren höher war als in der Gegenwart und das nicht nur wegen fehlender Impfungen, sondern weil auch andere Faktoren, wie mangelnde Hygiene, verunreinigtes Trinkwasser, schlechter Ernährungszustand, Krieg und Unruhen etc., eine große Rolle spielten.

Ist es überhaupt präzise messbar, welchen Anteil Impfungen am Rückgang der Gesamtsterblichkeit hatten, oder bedarf es einiger Grundan­nahmen,  gleich dem holländischen Wissenschaftler?
Gehen wir der Frage nach dem Anteil einfach exemplarisch einmal für die Masern nach.

Masernrückgang und was hat die 1973 eingeführte Masernimpfung damit zu tun?

     Das Statistische Bundesamt listet die Todesursachen in Statistiken der jeweiligen Jahresberichte des Deutschen Reiches und der Bundesrepublik. Wenn man sich die Daten ansieht, abtippt und untersucht, bekommt man ein schönes, eindrucksvolles Kurvendiagramm.
     Leider sind im Reich in ei­ni­gen Jahren Masern und Röteln zusammengefasst worden und einige Jahreslücken konnte ich trotz Rückfrage nicht schließen, dennoch kommt Erstaunliches dabei raus.

Das Ergebnis: Durchschnittliche Maserntodesfälle in Deutschland von 1890-2019:

Über Impfungen: Wirksamkeit und Nutzen.

Im Durchschnitt der Jahre 1890 – 1894 starben im Deutschen Reich 14.781 Menschen an Ma­sern, heute sind es nur noch etwa ein Toter pro Jahr – eine erstaunliche Entwicklung. Die erste Masern-Impfung wurde in der BRD 1973 eingeführt.

Ferner liegt der Jahresdurchschnitt 1902 – 1904
bei 14.076, zwi­schen 1925 und 1927 waren es bereits nur noch 4.818 Maserntodesfälle jährlich.
Und der 5-Jahres-Durchschnitt vor Einführung der Impfung (1973) lag dann bei rund 70, im Einführungsjahr wurden nur noch 37 Maserntote in der Todesursachen­statistik verzeichnet.
     In rasanter Geschwindigkeit und mit konstant fallender Tendenz gingen die Maserntodesfälle in Deutschland gen Null.

Das ist ein Rückgang der Maserntodesfälle von ca. 99,5 % BEVOR die Impfung eingeführt wurde.

 Selbst wenn man für eine statistische Aussage die Masernfälle der Nachkriegsjahre von 1949 bis 1953 (Mittel 363 je Jahr) heranzieht, beträgt der Rückgang damals schon über 80 % zum 5-Jahres-Mittel vor der Impfeinführung.
     Der Großteil des Rückgangs ist definitiv vor der Impf­einführung zu verzeichnen.

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Und danach? Soll die kontinuierlich fallende Zahl der Masernto­desfälle nun in 1973 plötzlich stagnieren oder sogar wieder ansteigen, wenn es die Impfung nicht gegeben hätte? Warum soll das so sein? Warum soll sie nicht weiter in der Rate fallen?
     Ein gründ­licher Blick auf die Jahre seit Kriegsende zeigt, dass keine wesentliche Veränderung der Kurven­stei­gung auszumachen ist, wie man sie erwartet hätte, hätte das Ereignis Impfeinführung einen wesent­lichen Einfluss gehabt. Weder fällt die Kurve treppenartig, noch nimmt das „Gefälle“ erheblich zu. Der Rückgang der Todesfallzahlen nimmt keine zusätzliche Fahrt auf, es sieht eher so aus, als ob er dem früheren Lauf weiter folgt. Jeder redliche Statistikaffine würde bestätigen, dass die Einführung der Masernimpfung auf den Kurvenverlauf keinen, absolut gar keinen messbaren Einfluss hat.

Über Impfungen: Wirksamkeit und Nutzen.

Mein Zwischenfazit:

Die Behauptung, die Einführung der Masernimpfung hätte die Todesfälle an Masern wesentlich gesenkt, ist nicht nur falsch, sie ist auch irreführend.
Die Impfung war es definitiv nicht, sondern war nur Trittbrettfahrer der Entwicklung.
Die Impfbefürworter nutzen dieses Unwis­sen in der Bevölkerung, um die Masernimpfung zur „sozialen“ Frage zu erheben.

Den Erfolg „im Kampfe gegen die Masern“ verzeichnen offensichtlich ein oder mehrere andere Faktoren.

Die Forschung nach die­sen (unbekannten?) Faktoren ist völlig zum Erliegen gekommen, weil die Impfpropaganda geglaubt und von tausenden Gläubigen ungeprüft nachgebetet wird.

   

 

1973 – vor Einführung der Impfung – nur 37 Maserntodesfälle.
2018 – nach 45 Jahren der Masernmassenimpfprogrammen – 37 Maserntodesfälle. Quelle: Daz.online


Soweit, so gut.

 

Ich spiele mal Anwalt des Teufels.

Ich wäre jetzt mal ein Impfgläubiger und würde be­haupten, dass das zwar stimmt mit dem Rückgang vor der Impfeinführung, aber mit der Ein­füh­rung ist der weitere Kurvenverlauf nur und ausschließlich durch die Impfprogramme zu erklären.

     Sozusa­gen nähere ich mich mal der nicht-faktenbasierten Behauptung, dass die Kurve ohne Impf­einführung plötzlich einen Knick nach oben gehabt hätte.

Um mich dieses Themas anzunehmen, musste ich erst­mal erfahren, was eigentlich Herdenimmunität ist.

Die Herdenimmunitätsschwelle ist definiert durch die Formel 1  – (1/Basisreproduktionszahl), wobei die Basisreproduktionszahl eine Art Maß für das Übertragungsrisiko sein soll.
     Die Durchimpfungsrate ist definiert durch den Bruch Geimpfte / Ge­samtbevölkerung.
     Die Gleichungen sind, wie man direkt erkennt, nicht gleich.
     Berechnet man die Herdenimmunitätsschwelle für die Masern, so kommt man auf einen Wert von 83 bis 94 %. Das dürf­te also die Grundlage für die im öffentlichen Diskurs propagierte 95 % Durchimpfungsrate sein.

Aber warum geht man denn überhaupt davon aus, dass die Durchimpfungsrate dasselbe ist wie die Her­denimmunitätsschwelle?

Entspricht eine Durchimpfungsrate von sagen wir 95 % automatisch der Herdenimmunitätsschwelle von 95 %?

Logisch betrachtet, kann man die beiden Formeln nicht als gleichwertig erachten: man könnte die Herdenimmunitätsschwelle (die sich ja auf eine tatsächliche Immunität bezieht) nur dann mit der Durchimpfquote gleichsetzen, wenn die Impfung für JEDEN auch einen 100 %-igen Schutz bieten würde. Das ist für keinen Impfstoff der Fall.

Wie bei anderen Methoden in der Medizin ist die Wirksamkeit von Impfungen jedoch nicht 100%ig, sondern je nach Impfung und individueller Immunantwort unterschiedlich.

Robert Koch-Institut, Impfen – Allgemeine Fragen

Damit kann eine Durchimpfrate rein denklogisch nicht mit der Herdenimmuni­tätsschwelle gleichgesetzt werden.

Da kommen wir wieder bei der Wirksamkeitsfrage an.

Je höher der Schutzeffekt, desto näher kommt man an die tatsächliche Herdenimmunitätsschwelle ran. Wie hoch ist tatsächlich der Schutz durch Impfungen?
Auch durch Impfstoffe hervorgerufene Titeranstiege sind unzuverlässige Ersatzkritieren für die Wirksamkeit. Arznei-Telegramm

RKI-Masern-FAQ: „Warum steigt der Anteil der Geimpften unter den Masernfällen?“

Getroffener Hund bellt. Das RKI würde das nicht schreiben, wenn der Anteil der Geimpften unter den Masernfällen nicht stiege. Die realen Zahlen fehlen natürlich, wer hätte das für möglich gehalten! Erklärt wird das mit einem fiktiven Beispiel. An einer anderen Stelle sagt das RKI aber auch: „Die Anzahl der übermit­telten Masernfälle stagniert auf einem Niveau, das deutlich über den Eliminationszielen der WHO […] liegt“.

     Wie ist denn das jetzt zu erklären, dass einerseits die Anzahl der Fälle stagniert, die Impfquote ansteigt und andererseits der Anteil der Geimpften an den Masernfällen zunimmt?

Masern im Ausland

Weiter liest man auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu den Masern: „Ganz Nord- und Südamerika, Skandinavien, viele Länder in Osteuropa und einige Staaten im Süden Afrikas sind frei von Masern. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere hundert Menschen an Masern, selten treten auch Todesfälle auf“. Das RKI setzt noch einen drauf und schreibt: „So gilt der süd- und nord­amerikanische Kontinent infolge konsequenter Impfprogramme als praktisch masern- und seit 2015 auch als rötelnfrei“.

Aha, dann schauen wir uns doch mal die Zahlen auf der Webseite der Weltge­sundheitsorganisation an, dachte ich mir.

Die haben übrigens ein nettes Statistiktool. Also habe ich ein bisschen rumgesurvt. Erstaunliches kann man da rausfinden. Südamerika ist wohl der Kontinent mit der geringsten Zahl von Masernfällen. Bolivien, Paraguay und Uruguay haben seit 2001 keinen einzigen Masernfall gehabt, Peru, Chile, Argentinien und Venezuela sehr wenige, viele Jahre ohne Masernfall. Brasilien hat – je 10.000 Einwohner die höchsten Fallzahlen. Trotzdem liegt die Inzidenz (Anzahl der neu auftretenden Erkrankungen) ein gutes Stück unter der Unseren.
Die Behauptung des BZgA, Südamerika sei frei von Masern, ist zwar sachlich falsch, aber nicht ganz so weit von der Wahrheit weg. Das (scheinbare) Paradoxon: die Impfquoten in diesen Ländern liegen mit Ausnahme von Brasilien alle(!) unter den Impfquoten der Deutschen – großteils zwischen 5 und 10 %-Punkte darunter.

Interessant, nicht?

Im Durchschnitt seit 2001 liegt unsere Masernimpfquote (erste Masernimpfung oder MCV1) bei 96,4 %, die Anzahl der Masern­fälle je 1 Million Einwohner lag durchschnittlich bei knapp über 18 im Jahr. Das ist erheblich mehr als zum Beispiel in den USA (0,42 Fälle), obwohl die im Mittel auf nur 91,8 % MCV1-Durchimpfquote kommen.

Geringere Durchimpfungsquote = weniger Erkrankungen?!

In Paraguay gab es bei einer MCV1-Quote von nur 88,9 % keinen Masernfall. Dafür hatte Kasachstan trotz einer sehr hohen Quote von im Mittel 98,4 % durch­schnittlich viermal so viele Fälle wie das etwas schlechter geimpfte Deutschland. Selbst bei der zweiten Masernimpfung fielen die Kasachen seit mindestens 1999 nicht mehr unter 95 % laut WHO.

Verkehrte Welt?

Wen wundert es, dass im Eurosurveillance wegen der Masernerkrankungszahlen im gut geimpften Slowenien schon über eine dritte Masernimpfung nachgedacht wird? Die schlechte Wirk­samkeit scheint den Impfstoffherstellern noch den Umsatz zu erhöhen!?

     Letztens fand ich einen Artikel im Journal of Clinical Microbiology. In einer Kooperationsarbeit hatten das deutsche Robert Koch-Institut, die US-Seuchenbekämpfungsbehörde CDC und die kanadische Health Agency den Masern­ausbruch 2015 in den USA analysiert und festgestellt:

Von 194 Masernvirussequenzierungen aus den USA von 2015 wurden 73 als Impfstoffsequenzen identifiziert.

     Also ein Drittel der Masern wurden durch den Impfstoff ausgelöst, der vorgibt, vor dieser Krankheit zu schützen!

Denken Sie mal zurück an die Aussage der BZgA vom Anfang ….

Zum Schluss das Plädoyer.

Das fällt leicht. Wer sich impfen mag, dem sollte man das nicht verbieten. Wer sich bei den Zahlen und Fakten über die Wirksamkeit von (Masern-)Impfungen nicht impfen lassen will, den sollte man nie und nimmer dazu zwingen. Wir brauchen keinen Sozialismus, erst Recht nicht im Gesundheitsbereich. Ich schließe mit einer Formulierung der UNESCO: „Jede präven­tive, diagnostische und therapeutische medizinische Intervention hat nur mit vorheriger, freier und nach Aufklärung erteilter Einwilligung der betroffenen Person auf der Grundlage ange­messener Information zu erfolgen!”

Amen.

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